Steinklamm“öffnet sich für Asylbewerber

Zweckverband Klärwerk stellt frühere Pension mit ca. 30 Plätzen zur Verfügung - Erste Belegung wohl Mitte Dezember  

 

Von Ursula Langesee

Spiegelau. Die Flüchtlingsproblematik dauert an und viele sehen es als humanitäreVerpflichtung an, zu helfen und Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. So auch der Zweckverband Klärwerk Spiegelau, in dem die Gemeinden Spiegelau und St.Oswald-Riedlhütte zusammenarbeiten.
Ihre Vorsitzenden, die BürgermeisterKarlheinz Roth und Helmut Vogl, haben jetzt quasi die Flucht nach vornangetreten und die frühere Pension Steinklamm als Heim für ca. 30 Asylbewerberzur Verfügung gestellt. Mit der Belegung wird ab Mitte Dezember gerechnet.
 

 

Rothund Vogl haben am Montag Vertreter von Vereinen und Verbänden und das Landratsamt als zuständige Stelle zu einem Infoabend eingeladen, um erste Maßnahmen zu besprechen, Hilfsangebote zu koordinieren und die Vorgehensweise „unter die Leute“ zu bringen.  

 

An die 40 Multiplikatoren waren dazu in die Grundschule Spiegelau gekommen, was die beiden Zweckverbandsvorsitzenden sehr freute.
Vom Landratsamt standen Juristin Judith Wunder und Dieter Philipp von der Sozialverwaltung Rede undAntwort. Wunder erklärte grundsätzlich, dass in Spiegelau keine Erstaufnahmestelle wie kürzlich im früheren Sporthotel Heidelberg in Neuschönau eingerichtet werde, sondern dass man davon ausgehen könne, dass die Asylbewerber hier so lange bleiben, wie ihr Asylverfahren läuft -erfahrungsgemäß zwischen sechs Monaten und zwei bis drei Jahren.
 

 

„Aber wir können nicht sagen, wann und woher die Flüchtlinge kommen, ob es Einzelpersonen oder Familien sind. Auf die Verteilung haben wir keinen Einfluss. Nach der bisherigen Erfahrung sind die Donnerstage die Ankunftstage und wenn die entsprechende Infrastruktur mit Schule und Kindergarten, wie inSpiegelau, vorhanden ist, dann ist es auch naheliegend, hier vor allem Familien unterzubringen“, erklärte die Juristin.
Mit dem Zweckverband als Vermieter - er hatte die Pension Steinklamm in direkter Nähe zum Klärwerk vor vier Jahren vom insolventen Eigentümer Norbert Kempe gekauft - hat das Landratsamt einen Beherbergungsvertrag abgeschlossen. Aber das Amt kann weder einen Hausmeister, eine Heimleitung oder sozialpädadogische Fachkräfte zur Verfügung stellen bzw. bezahlen. Nun soll ein „Kümmerer“ gefunden werden, der ein offenes Ohr für die Anliegen der Asylbewerber hat, ihnen sagt, wo sie einkaufen können, einen Arzt finden, wo Schule und Kindergarten sind, wie sie mit dem Bus ins Landratsamt nach Freyung kommen etc., und der zugleich „Schaltstelle“ zwischen den Asylbewerbern und der Kommune bzw. der Gesellschaft ist. „Dazu wird eine Halbtagsstelleausgeschrieben“, sagte Roth und appellierte an die Anwesenden: „Wenn Sie jemanden kennen, der dies machen möchte, melden Sie sich bitte.“

 

Dass die Leute den Flüchtlingen helfen wollen, diese positive Erfahrung konnte Wunder bisher überall im Landkreis machen. Sie geben ehrenamtlich Deutschunterricht, integrieren sie z.B. in Fußballvereine oder bei der Feuerwehr, nehmen sie mit auf Volksfeste oder organisieren Grillfeiern u.ä..  

 

Von den Asylbewerbern werde sehr gerne die Möglichkeit genutzt, sich mit gemeinnütziger Arbeit beim Bauhof, im Nationalpark oder bei der Seniorenbetreuung 1,05 Euro pro Stunde zum monatlichen Taschengeld von 82 Euro hinzu verdienen zu können. „Von den 82 Euro müssen sie sich selbst mit Essen versorgen, Buskarten etc. kaufen. Gestellt werden Unterkunft, Strom, Heizung und Wasser. Da kommt der Zuverdienst gelegen. Sie dürfen aber nur gemeinnützige Arbeit annehmen“, machte die Juristin klar.  

 

„Ist ein Dolmetscher dabei?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Nein, aber es klappe immer ganz gut mit Händen, Füßen, Google-Übersetzungshilfen und manchmal mit Englisch“, schilderte Philipp seine Erfahrungen. Spontan meldete sich das Lehrer-Ehepaar Franke, dass es Deutschunterricht geben wolle, ebenso Gemeinderätin Antje Laux.
Sie wolle sich aber nicht nur auf dieSprachvermittlung beschränken, sondern generell mitarbeiten, eventuell in einem Organisatonskomitee für Feste etc. Dazu kündigte Bürgermeister Roth an, dass bei der Gemeinderatssitzung im Dezember darüber diskutiert werden solle, ob die Gemeinde einen Integrationsbeauftragten stelle.

„Wieweit dürfen sich Asylbewerber frei bewegen?“ war eine weitere Frage. „Die Residenzpflicht ist ja gelockert worden, aber über Niederbayern hinaus darf die Reise nichtgehen“, antwortete Wunder.

„Wie schaut es mit der Versicherung aus?“ , interessierte Volker Döringer. „Bei sportlichen Betätigungen übernimmt sie der BLSV, sonst das Landratsamt“, sagtePhilipp. Diakonin Gabriela Neumann-Beiler schlug vor, auf die reichen Erfahrungen zurückzugreifen, die gerade die evangelische Kirche bei der Betreuung von Aussiedlern und jetzt Asylbewerbern in der früheren BGS-Kaserne in Grafenau gemacht habe. Sie erwähnte auch das 14-tägige Asylcafé in der Grafenauer Christuskirche.

Gemeindereferent Otto Öllinger von der katholischen Kirche betonte, dass der Empfang für die Asylbewerber wichtig sei. Hier müsse kurzfristig etwas auf die Beine gestelltwerden, denn die Willkommensphase sei entscheidend für das weitere Zusammenleben.

Hilfsangebote und Bewerbungen von „Kümmerern“ für die Asylbewerberunterkunft nimmt Alfred Resch, Tel.  08553/960021, entgegen.