Workshop „Psychotraumata und die Folgen“

In Landshut fand im „Haus International“ die Auftaktveranstaltung zur Schulungsreihe für ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Niederbayern statt. DieTeilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars kamen aus der Stadt und dem Landkreis Landshut und aus Abensberg. Sie kümmern sich in ihrer Freizeit mit viel Engagement und Hingabe um Bewohner und Bewohnerinnen von dezentralen Unterkünften und Gemeinschaftsunterkünften. Ohne ihre unermüdliche Arbeit wären viele der Asylsuchenden auf sich gestellt. Denn überall im Freistaat fehlen Asylsozialarbeiterinnenund -arbeiter. In der Regel scheitert es an der Finanzierung der Stellen, die vom Freistaat übernommen werden müsste.


Damit die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht „ausbrennen“ und vor den Problemen, die für Laien oft schier unlösbar sind, nicht verzweifeln, bildete die Psychohygiene, die gute und aufmerksame Sorge für sich selbst, eine der fünf Schwerpunkte des Workshops. Der Umgang mit größtenteils schwer traumatisierten Erwachsenen und Kindern geht an die Substanz. Umso wichtiger ist es, auf die eigenen Grenzen zu achten und seine Ressourcen zu kennen und zu nutzen.
Sei es der Spaziergang an der frischen Luft, das Hören von Musik, regelmäßige sportliche Aktivitäten oder der Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis.  

 

Das Zusammentragen solcher Ressourcen stellte die erste einer ganzen Reihe praxisbezogener Übungen des Seminar dar. Der Referentin und Leiterin des Workshops, Petra Seifert, war es wichtig, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gut gerüstet hatten, bevor sie sich mit den Folgen der Traumata bei Kindern und Erwachsenen auseinandersetzten. Will man wissen, was Traumata im menschlichen Körper, vor allem im Gehirn und im neurologischenSystem anrichten, kommt man nicht umhin, sich auch mit den Situationen, die Traumata verursachen, zu befassen. Bei den Flüchtlingen und Asylsuchenden geht es dabei um Krieg und Vertreibung, Verfolgung, Folter und Vergewaltigung. Vor allem minderjährigen Jugendlichen, die ohne erwachsene Angehörige unterwegs sind, setzt eine oft wochen- bis monate-, manchmal sogar jahrelange Flucht physisch und psychisch zu. Im vermeintlich sicheren Exilland Deutschland angekommen, werden sie häufig durch die teilweise unzumutbaren Zustände in den Erstunterkünften weiterhin seelisch verletzt und destabilisiert. Auch das Damoklesschwert der Abschiebung, die Frage, ob die Duldung nochmals verlängert wird, oder die Asylsuchenden in ihr Herkunftsland zurückgeschickt werden, indem sie von Menschen gequält, enteignet und vertrieben wurden, die jetzt dort immer noch leben, kann zu regelrechten Retraumatisierungen führen.

 

Petra Seifert machte als Fachfrau für Krisenintervention deutlich,wo die Grenzen der Ehrenamtlichkeit liegen, nämlich da, wo professionelle psychologische Hilfe von Nöten ist. Ehrenamtliche Helferinnen und Helferinnen können den traumatisierten Menschen ihre Empathie, ihre Bereitschaft jede und jeden einzelnen als Person wahrzunehmen schenken und ihnen immer wieder drei Dinge geben: Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. So das Resümee des Workshops.