Passauer Neue Presse vom 18.09.2014

 

Das "Forum Asyl Niederbayern (FAN)" haben 35 Teilnehmer des ersten Asyl-Netzwerktreffens aus der Taufe gehoben, zu dem die Bezirksvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Mia Pöltl und Erhard Grundl, in das Gasthaus "Goldenes Schiff" eingeladen hatten. Die neu gegründete Plattform will parteiübergreifend Ehrenamtliche unterstützen, die sich für die Integration der Flüchtlinge einsetzen.

Zu den Gründern zählten mit MdL Rosi Steinberger und Grünen-Politikern aus fast allen niederbayerischen Landkreisen auch der dritte Salzweger Bürgermeister Christian Domes, Sprecher des Helferkreises des Asylbewerberheims "Salzweger Hof", Heidi Barthel vom Regionalmanagement des Wirtschaftsforums Passau, Rechtsanwältin Petra Haubner, Vertreter der Klassen für Berufsschulpflichtige Asylbewerber der Berufsschule Vilshofen sowie von Amnesty International,
Asyl-Café, No-Border-Gruppe Passau, Hutthurmer Tafel, Caritas und Diakonie und die Aids-Beratungsstelle Niederbayern.

 

"Unterstützung der Unterstützer ist nötig", sagte MdL Rosi Steinberger. Sie erhob konkrete Forderungen an die Politik, zum Beispiel die unnötige Residenzpflicht abzuschaffen, eine schnellere Arbeitserlaubnis zu erteilen, die stark überlasteten Jugendämter personell aufzustocken, qualifizierte Sprachkurse für alle anzubieten, die der bayerische Staat finanziert sowie mehr Stellen in der Sozialbetreuung zu schaffen, die ebenfalls staatlich finanziert werden. Steinberger trat zudem für die Ausbildung von Integrationspaten für ganz Niederbayern und die Übernahme der Krankenversicherung für Asylbewerber durch den Staat ein. Dies könne nicht Sache der Kommunen sein.

 

Heidi Barthel vom Wirtschaftsforum betonte, dass die Wirtschaft großes Interesse an Arbeitskräften zeige. Die Teilnehmer stellten fest, dass die Politik oft planlos und improvisiert agiere. Die Kommunen seien überfordert. "Ohne die ehrenamtlichen Helfer ginge es den Menschen oft schlecht", fanden Anwesende.

Anliegen des Auftakttreffens des Netzwerkes sei es, eine Plattform zum Thema Asyl zu schaffen, sagte Eike Hallitzky, Fraktionssprecher der Grünen im Landkreis. Er kritisierte, dass das Land immer mehr Gelder im Sozialen kürzt und mahnte, mehr Mittel bereitzustellen. Er unterstützte die Forderung von Landrat Franz Meyer, Kommunen und Landkreise mit den Asylbewerbern nicht alleine zu lassen. "Integration nutzt, egal ob sie wieder zurückgehen", sagte Hallitzky. Sprache, Job oder Ausbildung zu ermöglichen sei eine "Win-Win-Situation" für beide Seiten. Ein Problem seien vor allem die unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge. Es sei wichtig, für sie eine Herberge zu schaffen.

 

Das Forum Asyl Niederbayern solle dem Informations- und Erfahrungsaustausch dienen, waren sich die Gründungsmitglieder einig. Es solle ein Pool für Fachleute, Dolmetscher und Ideen sein. "Wir Grüne haben viele kompetente Menschen, was Asylpolitik angeht. Mit dem ‚Forum Asyl Niederbayern‘ wollen wir die Kompetenzen bündeln und uns mit vielen anderen Interessierten vernetzen. Wir ‚FAN’s wollen den Ehrenamtlichen Unterstützung geben und Mut machen", betonte Bezirkschefin und Initiatorin Mia Pöltl. Seit vielen Jahren seien die Grünen in Deutschland und auch speziell in Niederbayern engagiert, wenn es um Asylpolitik geht. Die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen ließen befürchten, dass Know-how und Einsatz in Zukunft noch dringender benötigt werden als bisher. 

 

Im Bezirk Niederbayern gebe es viele Menschen, die sich engagieren, die bereits Erfahrungen sammelten und an unterschiedlichen Unterstützungsprojekten arbeiten. Es sei daher die Idee entstanden, kompetente Menschen zusammenzubringen, damit diese sich kennenlernen und Kontakte knüpfen können. Ziel des Netzwerks sei es, sich zum Nutzen der Betroffenen gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen. "Der Bedarf ist da", dies habe das erste Treffen gezeigt, resümierte Pöltl. Geplant sei nun, eine Homepage aufzubauen und die Internetplattform umzusetzen sowie noch weitere Engagierte mit ins Boot zu nehmen.